Gefragt – gesagt mit Barbara Feyock

„Um Klimaziele zu erreichen, müssen alle mithelfen.“

Barbara Feyock ist Bürgermeisterin der Gemeinde Damp. In ihrem Interview erzählt sie von nachhaltiger Mobilität in ländlichen Regionen sowie von deren Auswirkungen auf Alltag, Lebensqualität und Teilhabe und den Chancen und Herausforderungen neuer Mobilitätskonzepte wie im Projekt SMILE24.

Frau Bürgermeisterin Feyock, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen. Mögen Sie sich kurz vorstellen?

Mein Name ist Barbara Feyock. Ich bin seit acht Jahren Bürgermeisterin der Gemeinde Damp. Ich wohne seit 1985 in der Gemeinde und meine beiden Kinder sind hier aufgewachsen. Ich durfte im Rahmen von SMILE24 die Umgestaltung und Erneuerung unseres ZOBs begleiten.

Wenn Sie auf Ihre Gemeinde schauen: Was erzählt Mobilität eigentlich über das Leben der Menschen in Damp, über Alltag oder auch Abhängigkeiten?

Obwohl wir in der Gemeinde eine gute Infrastruktur haben, um fast alles für das tägliche Leben im Dorf kaufen zu können, ist Mobilität für jede Generation wichtig. Ob zur Schule, zur Arbeit oder zu verschiedenen Freizeitaktivitäten – Mobilität ist wichtig!

Viele Debatten über nachhaltige Mobilität werden stark aus der Perspektive von Großstädten geführt. Wo fühlen sich ländliche Gemeinden in dieser Diskussion manchmal missverstanden?

Ich denke, dass Nachhaltigkeit auch bei der Mobilität nicht vernachlässigt werden darf. Im ländlichen Raum ist das in den frühen Morgenstunden oder abends nicht so einfach umzusetzen.

Nachhaltige Mobilität bedeutet oft Veränderung im Alltag. Welche Veränderungen fallen Menschen Ihrer Erfahrung nach besonders schwer und welche überraschend leicht?

Nachhaltige Mobilität fordert ein Umdenken. Manchmal auch Verzicht auf Bequemlichkeit. Die Spontanität ist eingeschränkt, wenn man nicht einfach mal schnell ins Auto steigt, sondern planen muss.

In kleinen Gemeinden ist Mobilität nicht nur Infrastruktur, sondern auch soziale Teilhabe. Wo sehen Sie den größten Zusammenhang zwischen Mobilität und Lebensqualität?

In der Gemeinde Damp haben wir den ZOB (Mobilitätsstation*). Dadurch haben wir den Vorteil, dass jede Stunde in alle Richtungen in Schwansen, einer Region südlich der Schlei, eine verlässliche Taktung von Bussen ist. Somit ist die Flexibilität sehr groß und erhöht die Mobilität und somit auch die Lebensqualität.

Rein hypothetisch, wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welche eine Mobilitätslösung würde das Leben in einer Gemeinde wie Damp sofort spürbar verbessern?

Rein hypothetisch wäre es schön, wenn die NAHSHUTTLE langfristig weiter genutzt werden können. Zu einem Preis, den sich alle leisten können. Land, Kommunen und die Fahrgäste.

Ihre Gemeinde war Teil des Modellprojekts SMILE24. Was war für Sie persönlich der Moment, in dem Sie gemerkt haben: Dieses Projekt verändert wirklich etwas?

Durch die Umgestaltung des ZOBs im Ortsteil Vogelsang-Grünholz hat die Gemeinde eine Busspur, auf eigene Kosten, geplant und errichten lassen. Das entlastet die Gemeindestraße und die Bürgerinnen und Bürger. Es fahren die Busse nur noch ins Dorf hinein und verlassen den ZOB über die Busspur in Richtung Kreisstraße.

Modellprojekte bringen oft neue Ideen, aber auch Skepsis. Welche Rückmeldungen aus Ihrer Gemeinde haben Sie besonders überrascht? Im positiven wie vielleicht auch im negativen?

Die Rückmeldungen waren nur positiv – besonders die NAHSHUTTLE sind sehr beliebt.

Neue Mobilitätsangebote benötigten vor allem eines: Akzeptanz. Was haben Sie aus SMILE24 darüber gelernt, wie man Menschen für neue Mobilitätsangebote gewinnt?

Schon durch die Umstellung der Fahrpläne im Jahr 2021 mit den verlässlichen Abfahrtszeiten, ist der Busverkehr für die Gemeinde attraktiver geworden. Die Menschen schätzen sehr die PlusBusse**. Die sind fast so schnell unterwegs wie ein Pkw.

Hat das Projekt Ihren Blick auf Mobilität als Bürgermeisterin verändert? Gibt es Entscheidungen, die Sie heute anders treffen würden als noch vor einigen Jahren?

Ich bin sehr froh, dass wir im Rahmen von SMILE24 den Mut hatten die Umgestaltung des ZOBs anzugehen. Es ist eine Bereicherung für die Gemeinde.

Modellprojekte haben immer ein Ende. Was muss passieren, damit gute Ansätze aus solchen Projekten langfristig im Alltag bleiben und nicht wieder verschwinden?

Am Ende einer Förderung ist es wichtig, dass es für alle bezahlbar bleibt.

Nachhaltige Mobilität: Ist sie aus Ihrer Sicht nicht mindestens genauso eine kulturelle oder gesellschaftliche Frage?

Nachhaltige Mobilität ist auf jeden Fall eine gesellschaftliche Frage – da sollte jede dabei sein.

Kommunen stehen oft zwischen ambitionierten Klimazielen und praktischen Realitäten vor Ort. Wie navigiert man als Bürgermeisterin durch dieses Spannungsfeld?

Um Klimaziele zu erreichen, müssen alle mithelfen. Leider ist das ein schwieriger und langwieriger Prozess. Auch für eine Gemeinde ist das nicht schnell zu erfüllen. Kleine Schritte sind z. B. auf allen Gebäuden der Gemeinde sind PV-Anlagen installiert.

Wenn junge Menschen entscheiden, ob sie bleiben oder wegziehen, spielt Mobilität eine große Rolle. Welche Rolle kann nachhaltige Mobilität für die Zukunftsfähigkeit ländlicher Gemeinden spielen?

Verlässliche Fahrpläne und Taktungen im Busverkehr sind wichtige Säulen für nachhaltige Mobilität.

Häufig wird über Infrastruktur gesprochen (Thema: Straßen, Busse, Radwege, usw.). Wird vielleicht zu selten über Gewohnheiten gesprochen?

Natürlich ist es einfacher ins Auto zu steigen – da spielen Gewohnheiten und Bequemlichkeit eine große Rolle.

Blicken wir zehn oder fünfzehn Jahre nach vorne: Wie könnte sich Mobilität in einer Gemeinde wie Damp realistisch verändert haben?

Mein Wunsch für die Zukunft wäre: nicht jeder Haushalt hat ein Auto oder sogar zwei. Das Angebot des Carsharings (Dörpsmobil) wird besser genutzt als zurzeit und der ÖPNV wird nicht teurer.

Gibt es eine Idee oder Vision für Mobilität, die heute vielleicht noch utopisch wirkt, von der Sie aber glauben, dass sie irgendwann selbstverständlich sein könnte?

Autonomes Fahren.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Was bedeutet für Sie ganz persönlich „gute Mobilität“, unabhängig von politischen Programmen oder Projekten?

Gute Mobilität bedeutet für mich nicht nur Autos, Busse und gute Verbindungen, sondern auch innerhalb einer Gemeinde Angebote für Freizeit und Geselligkeit.

*Anm. d. Red.: Die Mobilitätsstation umfasst zwei barrierefreie Bussteige, begrünte Wetterschutzhäuschen, eine großzügig konzipierte Bike+Ride-Anlage – der ZOB im Damper Ortsteil Vogelsang-Grünholz ist ein moderner Verknüpfungspunkt zwischen schnellem Busverkehr, dem NAHSHUTTLE-Angebot sowie Fußverkehr, Fahrrad und Pkw.

** Anm. d. Red.: PlusBus bezeichnet einen Qualitätsstandard für Buslinien, die das Angebot auf Hauptachsen im ländlichen Raum verbessern. Mit dem PlusBus gibt es regelmäßige Fahrten direkt zum nächsten Bahnhof mit attraktiven Anschlusszeiten zum Zug - und das an allen Wochentagen, unabhängig von den Schul- und Ferienzeiten.

Bildnachweise

© Foto Stary

Ihre Cookie-Einstellungen für diese Webseite

Treffen Sie hier Ihre persönlichen Einstellungen

Erforderliche Cookies sind für die Nutzung der Webseite zwingend erforderlich. Die Webseite kann ohne diese Cookies nicht richtig funktionieren.

Einzelne Cookies

Cookiename: cookieconsent; Anbieter: mobiliteam by NAH.SH; Zweck: Dieser Cookie speichert die Einstellung zu Cookies; Laufzeit: 1 Jahr

Cookiename: fe_typo_user; Anbieter: mobiliteam by NAH.SH; Zweck: Dieser Cookie speichert die Session-ID zur wiedererkennung der Besucher*innen; Laufzeit: Sitzungsende

Diese Cookies helfen uns bei der Analyse des Nutzerverhaltens, um die Qualität unserer Webseite fortlaufend zu verbessern.

Einzelne Cookies

Cookiename: _pk_id.*; Anbieter: mobiliteam by NAH.SH; Zweck: Erhebung statistischer Daten in Matomo darüber, wie die Webseite von Besucher*innen genutzt wird; Laufzeit: 13 Monate

Cookiename: _pk_ref.*; Anbieter: mobiliteam by NAH.SH; Zweck: Erhebung statistischer Daten in Matomo darüber, woher die Besucher*innen dieser Webseite gekommen sind; Laufzeit: 6 Monate

Cookiename: _pk_ses.*, _pk_cvar.*; Anbieter: mobiliteam by NAH.SH; Zweck: Erhebung statistischer Daten in Matomo darüber, wie die Webseite von Besucher*innen genutzt wird; Laufzeit: 30 Minuten

Zur Datenschutzerklärung

Sie können YouTube-Videos direkt auf unserer Internetseite anschauen. Wir weisen darauf hin, dass dabei personenbezogene Daten (z.B. IP-Adresse) an YouTube übermittelt werden.

Zur Datenschutzerklärung

Wir nutzen Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen. Dabei berücksichtigen wir Ihre Einstellungen. Wir verarbeiten Ihre Daten nur, wenn Sie uns durch Klicken auf „Zustimmen und weiter“ Ihr Einverständnis geben. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit widerrufen ( zur Datenschutzerklärung ). Weitere Informationen zu den Cookies und Anpassungsmöglichkeiten finden Sie unter „Cookie-Einstellungen“.