Gefragt – gesagt mit Dieter Stoltmann

„Bahnhöfe bieten die Chance, den Individualverkehr zu reduzieren, den ÖPNV zu stärken und so einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.“

In Sörup steht ein Bahnhof, der Geschichte bewahrt und Zukunft gestaltet. Die Gemeinde hat das denkmalgeschützte Gebäude im Ortskern gekauft, saniert und neu belebt – ausgezeichnet 2016 von der Allianz pro Schiene und in diesem Jahr von der Deutschen Bahn als „Zukunftsbahnhof“. Bürgermeister Dieter Stoltmann erzählt, warum der Umbau mehr war als ein Bauprojekt, welche Hürden der Denkmalschutz brachte und wie der Bahnhof heute Reisende und Bürger*innen verbindet.

Herr Stoltmann, die Allianz pro Schiene hat den neuen Bahnhof von Sörup 2016 ausgezeichnet. Was war die Motivation hinter dem Umbau?

2015 haben wir mit dem Projekt „Ortskernentwicklung“ begonnen. Ziel war es, Gebäude und Flächen im Zentrum von Sörup attraktiver zu gestalten – für unsere Bürger*innen ebenso wie für Tourist*innen. Gleichzeitig wollten wir den Aufenthalt und die Durchreise für Bahn- und Busreisende deutlich verbessern. Die meisten Flächen, die wir im Rahmen des Projekts umgestalten wollten, gehörten bereits der Gemeinde – nur der Bahnhof nicht. Er liegt mitten im Ortskern, wurde aber noch fremdverwaltet. Nach einigen Gesprächen mit dem damaligen Eigentümer und entsprechenden Beschlüssen in der Gemeindevertretung haben wir ihn 2016 gekauft. So konnten wir den Ortskern ganzheitlich entwickeln und gestalten.

Was wurde genau umgesetzt?

Im Rahmen der Ortskernentwicklung haben wir den Bahnhofsvorplatz, die ehemalige Bücherei zur Volkshochschule mit einem Kunstraum (hier können regionale Künstler ihre Werke kostenfrei aus- und vorstellen), das ehemalige Gebäude der Gemeindeverwaltung zum Bürgerhaus (hier sind Bürgerbüro, Bürgersaal, die Kleiderkammer und die Tafel sowie kleinere Gewerbetreibende untergebracht) und den Bahnhof selbst umgebaut und energetisch saniert. Im Bahnhof entstanden ein Eiscafe, eine modernisierte Wartehalle und ein öffentliches WC und eine Touristinformation – alles mit dem Ziel, Bahn- und Busreisenden eine angenehme Aufenthaltsqualität zu bieten und nachhaltige Mobilität zu fördern. Im Obergeschoss hat ein Steuerbüro seine neue Heimat gefunden. Zusätzlich wurde ein Park&Ride Parkplatz gebaut und die Bushaltestelle um zwei weitere Bushaltestellen erweitert. Der Bereich um den Bahnhof in Sörup ist mittlerweile zum Verkehrsknotenpunkt in Mittelangeln geworden – ein echter Gewinn für Einheimische und Gäste. Finanziell möglich wurde das nur durch Fördergelder, zum Beispiel von der GAK, von NAH.SH und der AktivRegion.

Was bedeutet Ihnen persönlich diese Auszeichnung für Sörup und die Arbeit der Gemeinde?

Dass wir sechs Jahre nach Fertigstellung noch einmal so eine Auszeichnung bekommen, hat uns wirklich überrascht und sehr gefreut – gleichzeitig hat es auch unseren Einsatz und langen Atem in vielen Sachen hinsichtlich des Umbaus bestätigt. Besonders schön war in diesem Jahr auch die Anerkennung durch die Deutsche Bahn: Sie hat Sörup zum „Zukunftsbahnhof 2025“ erklärt. Das bedeutet nicht nur Wertschätzung für unser Engagement, sondern auch, dass die Bahn stärker in die Instandhaltung der Gleise und die Infrastruktur vor Ort investiert.

Gab es Herausforderungen bei der Umsetzung?

Die größte Überraschung kam gleich nach dem Kauf des Bahnhofs: Wir erfuhren, dass das Bahnhofsgebäude unter Denkmalschutz steht. Das bedeutete strenge Auflagen – wir durften die ursprüngliche Form nicht verändern. Das Mauerwerk musste erhalten bleiben, der Originalstein gereinigt und neu verfugt werden. Auch Fenster und Türen mussten im historischen Stil von 1887 gefertigt werden. Ursprünglich hatten wir Kunststofffenster – und Türen eingeplant, am Ende mussten Holzfenster eingesetzt werden. Zusätzlich war keine Photovoltaikanlage erlaubt, und wir mussten für einen freien Blick auf das Gebäude sorgen. Natürlich hat das alles die Kosten erhöht. Aber es hat sich gelohnt: Der Bahnhof hat seinen historischen Charme behalten und ist nun ein Stück renovierter Geschichte mitten in Sörup und durch den neuen freundlichen Vorplatz zum Treffpunkt geworden.

Welche positiven Effekte konnten Sie seit der Umgestaltung beobachten?

Früher war der Bahnhof ein dunkler, wenig einladender Ort – heute ist er hell, freundlich und lebendig. Das Gebäude und der Platz drumherum werden wieder als Treffpunkt genutzt. Auch Tourist*innen zieht es wieder stärker hierher. Und nicht zuletzt hat der Umbau die grüne Mobilität gefördert: Mehr Menschen steigen wieder auf Bus und Bahn um, anstatt mit dem Auto zu fahren.

Welche Rolle spielt der Bahnhof als zentraler Mobilitätsstandort im ländlichen Raum aus Ihrer Sicht?

Bahnhöfe sind gerade im ländlichen Raum ein Schlüssel für die Mobilitätswende. Sie bieten die Chance, den Individualverkehr zu reduzieren, den ÖPNV zu stärken und so einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Deshalb ist es wichtig, diese Standorte zu erhalten und attraktiv zu gestalten – für Reisende, Tourist*innen ebenso wie für die Menschen vor Ort.

Welche weiteren Pläne gibt es für die Entwicklung des Bahnhofsumfelds und der Mobilität in Sörup?

Unser Engagement ist noch lange nicht zu Ende: So haben wir in diesem Jahr eine digitale Fahrgastinformation und überdachte Bushaltestellen installiert, um die Aufenthaltsqualität weiter zu steigern. Wir planen gegenwärtig eine Bike und Ride – Anlage um das Konzept abzurunden.

Wie sehen Sie die Zukunft kleinerer Bahnhöfe und ihre Bedeutung für nachhaltige Mobilität?

Viele kleinere Bahnhöfe sind inzwischen zweckentfremdet – zu Wohnraum oder Ähnlichem umgebaut. Eine Wiederherstellung ist dann oft nicht mehr möglich oder extrem teuer. Das Risiko ist groß, dass diese Orte vom ÖPNV nicht mehr angefahren werden. Damit würde die Mobilität vieler Menschen, aber auch von Tourist*innen, massiv eingeschränkt. Für uns war das ein Grund, aktiv gegenzusteuern und den Bahnhof wiederzubeleben. Er ist für viele hier vor Ort richtig und wichtig – und das wollen wir auch für die Zukunft sichern.

Bildnachweise

© Dieter Stoltmann

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